Eine Familiengeschichte voll faszinierender Charaktere und berührender Schicksale

Die Kießlings gehören zu Juist wie die Gezeiten. Als Patriarch Eduard das Bundesverdienstkreuz erhält, kommen sie alle zusammen: Eduards Frau Adda, die drei Töchter, sowie Großmutter Johanne. Doch in die Generalprobe platzt Helen aus Neuseeland, die behauptet, mit der Sippe verwandt zu sein. Und tatsächlich: Sie ist Adda wie aus dem Gesicht geschnitten. Gemeinsam gehen sie dem Rätsel ihrer Herkunft nach. Denn Adda ahnt: Der Schlüssel zur Wahrheit liegt im familieneigenen Hotel de Tiden, dort, wo vor 75 Jahren alles begann.

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Die Autorin

© Sabrina Adeline Nagel

Anne Prettin ist eine Hamburger Autorin und schreibt Reden für Auftraggeber aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie studierte Politikwissenschaften und Soziologie in Freiburg, Hamburg und Bordeaux und arbeitete als freie Journalistin für verschiedene Tageszeitungen. Sie ist verheiratet und lebte mit ihrer Familie in Neuseeland, als dieser Roman entstand.

Interview mit Anne Prettin

»Ich erzähle die Geschichte von vier Generationen Frauen, die trotz der quälenden Sprachlosigkeit, die zwischen ihnen herrscht, in ihrem Schicksal verbunden sind.«

Mit DIE VIER GEZEITEN haben Sie eine große Familiengeschichte verfasst, die von vier Schwestern, aber auch von vier Generationen erzählt. Wie ist die Idee für diesen Roman entstanden?

Die Idee zu dem Roman kam mir tatsächlich auf Juist. Ich wollte schon lange eine komplexe und spannende Familiengeschichte schreiben. Bei einem Spaziergang durchs Inseldorf kam mir der Gedanke, dass Juist der perfekte Ort dafür sein könnte: ein kleines abgeschottetes Universum mitten in der Nordsee, Freiheit und Gefängnis zugleich, der Fluch – oder das Glück? – seiner Bewohner, jeden zu kennen und doch auch wieder nicht. Und schon stand er vor mir, der etwas windige, selbstherrliche, traurige, in die Jahre gekommene Bürgermeister; ein Nicht-Juister, der seit Jahrzehnten die Strippen auf der kleinen Insel zieht und Oberhaupt einer erfolgreichen Juister Hoteliersfamilie mit vier unterschiedlichen Töchtern, die an ihm, ihren eigenen Geheimnissen und denen ihrer Mutter und Großmutter zu zerbrechen drohen.

Wie würden Sie den Kern der Geschichte Ihres Familienromans DIE VIER GEZEITEN beschreiben?

Der Kern der Geschichte ist das Verhältnis der Frauenfiguren zueinander, zur Vergangenheit und Wahrheit. Ich erzähle die Geschichte von vier Generationen Frauen, die trotz der quälenden Sprachlosigkeit, die zwischen ihnen herrscht, in ihrem Schicksal verbunden sind. Es heißt, dass eine Familie die Welt im Kleinen ist. Und wenn diese Welt dann auch noch so lütt wie Juist ist, gibt es schon durch die natürlichen Grenzen kein Entkommen voneinander. In Rückblicken zeige ich, wie die Frauen sich in diesem engen Kosmos entwickeln, wie das Gestern ins Heute wirkt, was die Lügen mit dieser Familie machen und wie sie alle der Wiederholung der familiären Muster vergeblich zu entrinnen versuchen.

Was hat es mit dem Titel DIE VIER GEZEITEN auf sich?

Damit sind die vier Schwestern gemeint, die so unterschiedlich sind wie Ebbe und Flut. Die mittleren Töchter sind vorsichtig, schreckhaft und zurückgezogen wie die Ebbe. Für sie bedeutet Juist Geborgenheit und Schutz. Die älteste und die jüngste Tochter gleichen der Flut. Sie sind kämpferisch, rebellisch, temperamentvoll, unruhig. Beide nutzen die Freiheit auf der Insel und versuchen gleichzeitig, ihrer beklemmenden Enge zu entkommen.

Juist ist eine eigene kleine und abgeschottete Welt. Wie kam es zu diesem besonderen Schauplatz?

Ich bin in Oldenburg aufgewachsen, von dort ist es nicht weit auf die ostfriesischen Inseln. Außerdem stammt die Familie meines Mannes von Juist. Als Kind fuhr ich mit meiner Familie viel nach Juist, Langeoog, Wangerooge oder Spiekeroog. Mir kam es dort immer ein bisschen wie aus der Zeit gefallen vor. Es fuhren keine Autos, die Fähre legte nur einmal am Tag an, sogar die Zeitung kam manchmal erst mit einem Tag Verspätung in die Läden. Gleichzeitig empfand ich stets ein Gefühl von Freiheit, genoss die wunderbare Natur, die Dünen, die weiten, langen Strände, den endlosen Horizont, die Salzwiesen vor dem Watt und den salzigen Geruch der Nordsee. Auf Juist kommt mir die Welt überschaubarer, langsamer vor, man kann im wahrsten Sinne viel leichter Schritt halten und durchatmen. Aber es gibt auch die andere Seite, dieses Abgeschnittensein von allem, die gesellschaftliche Enge und das Leben, das bestimmt wird von den Gezeiten. Ein Leben mit Härten, vor allem, wenn Land unter droht, der Sturm wütet und die Wellen immer höher schlagen. Der Kampf gegen das Meer, die Sturmfluten haben die Einwohner abgehärtet, vielleicht aber auch zusammengeschweißt. Und diese Gegensätze verbinden sich auf selbstverständliche, unaufgeregte Weise, was die Insel so interessant für mich macht. Hier zeigen sich wie in einem Brennglas gesellschaftliche Konflikte und Veränderungen.

Diese unterschiedlichen Ebenen sowie die verschiedenen Erzählperspektiven ermöglichen es, die Handlungen und Erlebnisse der Familienmitglieder aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Wieso haben Sie sich für diese Erzählweise entschieden?

Selbst lese ich auch gerne Bücher, die die Gegenwart von der Vergangenheit aus betrachten und den Weg, auch ins Unglück, anhand von Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven zeigen, statt nur zu erzählen. Wie sind die Figuren so geworden? Warum sind sie, wie sie sind? Woher kommen die Verwundungen und Abgründe, und welche Geheimnisse wirken im Verborgenen und in die nächsten Generationen fort? Dass ich das Gestern und Heute erst am Ende zusammenfüge, statt die Geschichte chronologisch und linear zu erzählen, ist dem Umstand geschuldet, dass ich DIE VIER GEZEITEN als Spannungsgeschichte angelegt habe. Ich verschaffe mir durch den Wechsel zwischen Personen, Ereignissen und Zeiten mehr Raum, die Dramatik bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.

Von großer Bedeutung ist auch der historische Kontext der verschiedenen Generationen. Sie binden u. a. den Nationalsozialismus, Fluchterfahrungen und die DDR mit ein. Wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen? Gab es Gespräche mit Zeitzeugen?

Tatsächlich habe ich mit etlichen Juistern gesprochen, mit Dresdnern und Menschen, die die Nachkriegszeit erlebt haben. Ich habe im Antiquariat alte Bücher erstanden, in verschiedenen Zeitungsarchiven recherchiert und zum Beispiel sämtliche alte Ausgaben des Ostfriesischen Kuriers durchgeforstet. Und natürlich habe ich das Internet als Informationsquelle genutzt.

Ein sehr sympathischer Charakter in Ihrem Buch ist der Wattführer Onno, für den es auch ein reales Vorbild auf Juist gibt. Was können wir von ihm und seinem Umgang mit der Natur und dem Meer lernen?

Die Insulaner sind ja unmittelbar betroffen und existentiell bedroht vom Extremwetter, den Sturmfluten, vom Anstieg des Meeresspiegels und dem Dünenabbau. Sie sind vor Ort, wenn verölte oder durch Gifte deformierte Vogel- und Seehundkadaver und Tonnen von Müll und Plastik an den Strand geschwemmt werden. Und sie sind als Küstenbewohner viel näher dran an dem, was uns alle aktuell beschäftigt: Klimawandel und Umweltzerstörung. Was wir von Onno – oder Heino Behring, so der Name des Wattführers, an dem ich mir ein Vorbild genommen habe – lernen können, ist natürlich der Respekt vor der Natur. Der reale Juister Wattführer kennt das Watt wie kein anderer. Er hat Zigtausende von Urlaubern aufgeklärt und sensibilisiert für diesen einmaligen, fragilen und hochkomplexen Lebensraum, der mit seinen mehr als 10 000 Tier- und Pflanzenarten nur so strotzt vor Leben. Und er hat gezeigt, wie wichtig es ist, der Natur Raum zu geben und das wertvolle Erbe Wattenmeer zu schützen und zu bewahren. So hat er gemeinsam mit Mitstreitern ein Fangverbot für Herzmuscheln erwirkt, Muscheln, die nicht nur das Wasser filtern, sondern auch für zehn bis zwölf Millionen Zugvögel auf Rast als Nahrung dienen. Mit seinem Einsatz als Naturschützer zeigt er uns, dass es nicht egal ist, was wir für eine Welt hinterlassen. Oder – um in Onnos Worten zu sprechen – dass wir nur leben, wenn die Natur lebt und dass wir leiden, wenn sie leidet. Man kann und muss etwas tun, und wenn es nur im Kleinen ist.

Ihr Buch ist voller außergewöhnlicher und starker Frauen, die kämpfen und einige Opfer bringen müssen. Ist Ihnen eine Figur besonders ans Herz gewachsen?

Wanda hat mir von allen am meisten Freude gemacht. Sie ist temperamentvoll, unangepasst, stürmisch, aber auch verletzlich, sensibel und widersprüchlich. Vermutlich steckt in ihr, wie in uns allen, eben nicht nur die Flut, sondern auch ein bisschen Ebbe, die sie mit aller Kraft zurückzudrängen versucht, bis es nicht mehr geht.

Die Hörbuch-Sprecherin

© Bettina Malik

Julia von Tettenborn, 1973 geboren in Bremen, ist ausgebildete Schauspielerin. Neben der Schauspielerei ist sie in zahlreichen Hörbüchern, Hörspielen, Dokumentationen und Synchronisationen von Filmen zu hören. Außerdem betreibt sie ein Figuren- und Maskentheater in Köln. Ihre warme und sehr ausdrucksstarke Stimme ist wie geschaffen für gefühlvolle Hörbücher.

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